Gedichte von Rudolf Niggeler
Mein Kirchgang Sollt' ich mit dem Menschenstrom Statt vom reichen
Glück der Erde Unglaube Als ich dir von Menschen
sagte, Als ich aber nun bekannte, Über's Meer - für Augustine Wie der Schiffe Wimpel schwanken Sprich,
was zogst du von des Jura Nichts geblieben ist uns
Beiden, | ![]() Rudolf Niggeler als Student der Universität Bern |
Mein Kirchgang
Sollt' ich mit dem Menschenstrom
Nach der düstern Kirche ziehn?
Nein, zum
grünen Buchendom,
Ganz alleine, lasst mich fliehn.
Statt vom reichen
Glück der Erde
Hallt die Kanzel nur von Pein
Von Entsagung, von Beschwerde,
Und ich nicke
schläfrig ein.
Unglaube
Als ich dir von Menschen
sagte,
Welche nicht an Gottes Macht,
Nicht an
seinen Himmel glauben,
Gabst du nur mit Schaudern Acht.
Als ich aber nun bekannte,
Dass ich selbst ein solcher sei,
Bliebst du fest an mich
geschmiegt,
Ganz von Furcht und Sorge frei.
Über's Meer - für Augustine
Wie der Schiffe Wimpel schwanken
Über's Meer,
Flattern meine Herzgedanken
Über's Meer.
Sprich,
was zogst du von des Jura
Blumiger Alp,
aus der
Hütte trauten Schranken
Über's Meer?
Nichts geblieben ist uns
Beiden,
Süsses Lieb,
Als im
Traumeskahn zu wanken
Über's Meer.
